1483 Hennen aus Bodenhaltung,

58 Hennen aus Biohaltung und 11 Hähne gerettet !

Am vergangenen Samstag war wieder einmal großer Rettungstag in Nordrhein-Westfalen. Erlösungstag, Aufatmungstag, Endtag, Begegnungstag, Erkenntnistag, Anfangstag, Sonnentag...

Beinahe nebenbei und ohne große Hektik verlief unsere Vermittlungsarbeit im Vorfeld. Fast überall war endlich die furchtbare Stallpflicht vorbei, der Rettungstermin lag bei angenehmen Temperaturen im Mai, Ort der Rettung war Nrw-also recht zentral, so dass viele Vermittler beteiligt werden konnten. So stieg unsere Vermittlungszahl stetig an und schon einige Wochen vor dem Termin hatten wir alle Hühner vorvermittelt und noch viele offene Platzangebote. Daher strichen wir die Transporte an die am entferntesten Übergabeorte (Hamburg und Nürnberg) und einen kleineren Transport nach Rheinland-Pfalz, vertrösteten diese Adoptanten auf eine der folgenden Rettungen und vermittelten die Hühner an die noch offenen Anfragen aus Nrw.

Vielen Dank an dieser Stelle für das Verständnis der Menschen, die somit im Interesse der Hühner vertröstet wurden. Die Transporte sind gerade für die sehr schwachen Bodenhaltunsghennen stressig und wenn es möglich ist, vermeiden wir daher die weiten Wege.

Glückliche Fügung, dass sich – wenige Tage nach unserer Entscheidung, den Hamburg-Transport zu streichen- ein Biohof aus Hamburg bei uns meldete und anfragte, ob wir kurzfristig 59 Legehennen und 2 Hähne übernehmen könnten. Ja! Wir konnten! Und so bekamen die Menschen aus Hamburg also doch schon im Mai ihre Hühnchen. 61 weitere Leben, die nicht sinnnlos nach 1,5 Jahren Ausbeutung für den Eierkonsum ausgelöscht wurden, sondern leben dürfen !

Die Ausstallung in Nrw lief –wie schon die Vorvermittlung- ohne große Komplikationen.

Wir fanden die Hennen in schwachem, sehr mitgenommenem Zustand – so traurig, wie wir es aus dieser Haltunsgform ja schon seit Jahren kennen.

5 tote Hennen im Stall, für die wir zu spät kamen, 12 sehr Pflegebedürftige, die wir in spezielle Pflegestellen geben mussten. Eine Henne mit Oberschenkelbruch, eine mit verkapselter Entzündung im Gelenk, ein Hühnchen mit Schiefkopf, einige mit entzündeten Kloakenprolapsen, Legedarmentzündung, Ballenabszessen und die kleine May-eine arme Henne mit extremer Atemnot, die trotz tierärztlicher Behandlung nur noch erlöst werden konnte. Erlösungstag.

Die übrigen 1471 Hennen waren teilweise kaum noch befiedert, sehr schwach, verstört, blass. Doch für sie war heute Rettungstag! So stressarm wie möglich holten wir sie aus ihren Gitterkäfigen, in denen sie in zwei Geschossen über der Bodenfläche auf Gitterrosten und Metallstangen leben mussten. 9 Hennen pro Quadratmeter in jedem Geschoss. Das bedeutet 27 Hennen pro Quadratmeter Bodenfläche. Ohne Tageslicht, in stickiger, beißender Luft, ohne jede Aussicht, ohne Beschäftigung, in unerträglicher unvorstellbarer Enge. 12 Monate lang, die nun zu Ende waren. Endtag. Vorsichtig wurde Huhn um Huhn aus dem Stall getragen, in unsere Boxen gesetzt, und in die Transporter geladen. Schon hier konnten sie etwas spüren, trotz Stress und Angst – sanfte Hände, beruhigende Worte, weiche Hanfmatte unter den geschundenen Füßen, frische Luft in der Lunge, Sonne auf der Haut. Rettungstag.

Ein weißes Huhn fand erschöpft Schutz und Trost im Arm unserer Helferin Janea, blieb einige Zeit einfach so dort liegen und genoss die ersten Sonnenstrahlen ihres Lebens.

Nach drei Stunden war die Ausstallung geschafft. Alle Pfleglinge erstversorgt, alle Boxen verladen, alles richtig gerechnet, alle Vermittler auf dem Weg zu ihren Übergabepunkten. Aufatmungstag.

An den Übergabeorten in Nrw, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg warteten bereits viele aufgeregte Menschen, um ihre Hühnchen entgegen zu nehmen und ins liebevoll vorbereitete neue Zuhause zu bringen. 277 Menschen, die sich bewusst für die Aufnahme dieser Tiere entschieden hatten. Für Tiere, deren grausame Ausbeutung und anschließende Vernichtung in unserer Gesellschaft ohne Gewissensbisse und mit größter Selbstverständlichkeit akzeptiert und durch den Kauf von Eiern oder Eiprodukten aktiv von den Verbrauchern in Auftrag gegeben wird. Für Tiere, die normalerweise ihr Gefängnis nach 12 Monaten nur für den brutalen Abtransport in den Geflügelschlachthof verlassen, um zu Tierfutter verarbeitet zu werden.

Für Tiere, die die Gesellschaft normalerweise niemals zu Gesicht bekommen würde, deren Leben von der Brüterei über den Legebetrieb bis hin zum Schlachthof anonym und nur als Massenangabe in Millionenstückzahl oder Tonnenangabe benannt und zur Kenntnis genommen wird. Für Tiere, die noch an keinem einzigen Tag ihres Lebens ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben und sich wohl und sicher fühlen durften.

Am Übergabeort in Mönchengladbach - Warten auf die Ankunft der Hühner

Diesen Tieren begegneten nun diese lieben Menschen, und nahmen zwei, drei fünf, acht solcher Individuen in ihre Arme, setzten sie behutsam in ihre Transportkörbe, gaben ihnen Namen, trösteten und beruhigten sie und nahmen sie in ihr eigenes Leben auf. Begegnungstag. So einige Tränen fließen bei diesen ersten Begegnungen. Ausgelöst durch den Anblick ihrer ausgemergelten, kahlen Körper, ihrer verstörten Blicke. Der Anblick dieser Wesen macht alles deutlich, schlägt einem immer wieder wie ein Hammer vor den Kopf: Welches Verbrechen es ist, das der Mensch gesetzeskonform und gesellschaftlich akzeptiert den Tieren antut! Erkenntnistag.

Für diese 1482 Hennen (abzüglich der kleinen erlösten May) beginnt nun ein neues Leben. Sie lernen Frieden kennen, Wind und Sonne, ein weiches geschütztes Nest, ein Leben in einer kleinen Gruppe ihrer befreundeten Artgenossen, Scharren in der Erde, etwas erkunden, etwas finden, friedlich in der Sonne liegen, im Staub baden und ruhen, frisches Gras picken, warme Erde unter den Füßen spüren, liebe Menschen kennenlernen, Zuneigung fühlen, Wohlwollen und Fürsorge. Anfangstag.

Und während ich hier sitze und diesen Bericht schreibe, schaue ich auf die Hühner in meinem Garten, alles ehemalige Pfleglinge aus den Rettungen der vergangenen Monate und Jahre, einige sonnenbadend auf den warmen Steinen der Terrasse, einige auf Entdeckungstour unter den Rosenbüschen, Silver gedankenverloren sich putzend im Schatten unter der Buche.... Sie haben vergessen, woher sie kamen und was hinter ihnen liegt. Sie leben jeden Tag nur noch im jetzt. Das ist gut. Sonnentag.

Eine weiße Henne im neuen Zuhause - die ersten Sonnenstrahlen auf ihrer Haut.

Unser Dank – wie immer – an die vielen lieben Menschen, die unseren Hühnern ein Zuhause schenken, und die bereit sind, gerade solche Tiere bei sich aufzunehmen und somit helfen, sie ans Licht und in die Gesellschaft zu bringen. Nicht nur die Rettung ihrer Leben ist wichtig – auch die Sichtbarmachung der Verbrechen, die ihnen angetan werden. Und nichts kann das den Menschen so deutlich machen wie der Anblick dieser geretteten Tiere.

Dank auch – wie immer – an das beste Team der Welt – und natürlich an alle Helfer, die uns an Rettungstagen so treu unterstützen!


 

 
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